Inszenierungen des Darstellenden Spiels am EKG
2005 und früher

  • Die 5
    Bearbeitung der Romanvorlage

    Die Selbstmord-Schwestern von
    J. Eugenides  Aufführung im Februar 2005,
    angenommene Bewerbung für das Schülertheatertreffen 2005


Leine-Nachrichten vom 14.02.2003




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Haben die Leute geklatscht, weil sie uns kannten oder weil wir gut waren?
Rückblick einer Spielerin auf ihr "Bankett" in Barsinghausen (s. a. Titelbild)


Was war neu? Was war anders als zu Hause in Laatzen? Was sich wesentlich verändert hat, war die "Location". Die Aula in Barsinghausen war viel größer als bei uns und die. Bühne höher. Wir waren deshalb vor dem Auftritt - ziemlich aufgeregt und haben uns gefragt, ob uns alle gut verstehen - würden. Wir mussten also viel lauter und deutlicher sprechen, was im Anschluss zu Heiserkeit und angekratzten Stimmbändern führte.

Dass dann nach der Aufführung und noch Tage später so viel positive Kritik kam, war sehr schmeichelnd. Eine Sache war für uns neu und ein bisschen irritierend: Das Publikum hat nicht immer so reagiert, wie wir es bisher erlebt hatten. Das kam daher, weil das Publikum vorwiegend aus Schülern bestand und dass sie das Stück rnit ihrer eigenen Produktion verglichen. So standen wir, im Gegensatz zu den Aufführungen davor, nicht einem wohlwollenden Eltern Publikum gegenüber, sondern wurden weitaus kritischer beurteilt. Daher war es ein kornisches Gefühl, wenn die Lacher und der Applaus nicht an den gewohnten Stellen zu hören waren.

Insgesamt konnten wir aber die Frage "Haben die Leute geklatscht, weil sie uns kannten oder weil wir gut waren?" für uns positiv beurteilen Unsere "Damen" sind beim Spielen dermaßen ausgeflippt, dass wir manchmal Mühe hatten, einen Lacher zu unterdrücken. Es hat richtig Spaß gemacht.

Kurs Darstellendes Spiel, 12. Jg.
Erich-Kästner-Gymnasium Laatzen



Wenn die komischen Reichen die grotesken Armen einladen: "Das Bankett"
Erich-Kästner-Gymnasium Laatzen mit einem kolumbianischen Stück

Drei Bettler warten auf das Erscheinen des Kandidaten, der durch ein Bankett in die höhere Gesellschaft eingeführt werden soll. Vier Damen und ein Mann, die dem so genannten Zirkel angehören, begleiten den Kandidaten auf dem Weg durch sein 5-Gänge-Menü. Interessant ist für die Bettler nicht nur, ob der Kandidat die lukullische Folter durchstehen, sondern vor allein auch. Ob für sie genug abfallen wird von diesem 5-Sterne-Essen ...Eine bitterböse Satire, schmackhaft gemacht durch Situations komik und skurrile Gestalten, die sich gegen die Überflussgesellschaft, ihren Filz, ihre Degeneriertheit und ihre Seilschaften richtet.

Zur Person: Enrique Buenaventura "Das Bankett". Enrique Buenaventura wurde 1925 in Cali, Kolumbien geboren. Er studierte Bildende Kunst und Philosophie und gründete vor fast 50 Jahren das heute noch bestehende Theatro Experimental de Cali.

Nach seiner Beobachtung suchen Menschen heute bei einem Theaterbesuch in erster Linie Entspannung. Dieser Neigung möchte er mit seinen Stücken Rechnung tragen, dem selbst Publikum aber gleichzeitig kritisch genau die Gesellschaft, in der sie leben und die sie mitgestalten, vor Augen halten.

Wir, der Grundkurs Darstellendes Spiel, sind Schülerinnen und Schüler des Erich-Kästner-Gymnasiums in Laatzen. An unserer Schule ist das Darstellende Spiel seit ein paar Jahren als Unterrichtsfach für den 11. und 12. Jahrgang eingerichtet. Im 11. Jahrgang haben wir viel mit Sprache, Bewegung und Rhythmus ausprobiert und spielen nun im 12. Jahrgang "Das Bankett".


Begründung der Auswahl


Der Grundkurs "Darstellendes Spiel" des Erich-Kästner-Gymnasiums aus Laatzen hat in der Zeit von November 2001 bis Januar 2002 (Premiere) unter Spielleitung von Sibylle Dordel Buenaventuras grotesk-absurdes Stück "Das Bankett" einstudiert und zur Aufführung gebracht.

Die Darsteller zeigen eine deutliche Bühnenpräsenz und viel Spielfreude. Ihr Spiel ist ideenreich angelegt und mutig in der Betonung des Grotesken, auffällig ist die gute Artikulation. Die Figurenzeichnungen sind adäquat erspielt und durch eine treffende und einfühlsame Besetzung bühnenmäßig unterstützt. Insgesamt präsentiert sich die Gruppe geschlossen, mit hoher sozialer Kompetenz und mit erkennbarem ästhetischen Anspruch. Spielleiterin und Darsteller bestätigen mit dem Bühnenergebnis ein kontrolliertes Arbeiten und den Willen zur Darstellung.
Norbert Döding




Wie man sich in drei Etappen überfressen kann
Zur Aufführung "Das Bankett"
Das Bankett des Zirkels wird vorbereitet. Die abstoßenden, popelnden und kreischenden Bettler sind bereits ein getroffen und warten ungeduldig auf die Reste des Festschmauses mit Hindernissen, dass zu Ehren des neuen "Kandidaten" gegeben wird. Die feine Gesellschaft ist geladen und Sekretär, Dame und Diener sind hochbeschäftigt mit den Vorbereitungen, ihnen sind die Festlichkeiten zuwider. Sie sehen ihren hohen Zirkel entehrt. In Augenblicken, in denen man den Pöbel allein auf der Bühne sieht, enthüllt sich deren von ihnen verborgenes Geheimnis: "Finsternis" ist gar nicht blind, der "Fakir" ist in Wirklichkeit sehr schlau und der "Krüppel" ist auch nicht fußlahm.

Im Laufe des Stückes wird deutlich, dass es gerade diese sind, die die eigentliche Spitze der Gesellschaft darstellen, da die selbsternannte besoffen und lautstark singend am Büffettisch herum saut. Der "Kandidat", den der Zirkel aus den unteren Schichten erwählt hat, darf sich nur mit einer Maske zeigen. Sein Auftritt wird speziell mit Rauch und Lichtschwaden hinter den Zuschauerreihen angekündigt. Ihm wird ein Fünf-Gänge-Menu serviert, dass er alleine aufessen muss und dabei drei Etappen erreichen soll, die ihn in den gehobenen Kreis integrieren.
Am Ende sind es die Bettler, die am besten dabei weg kommen, sie stauben die Reste des Essens ab und ihr Geheimnis bleibt gewahrt.

Wir waren einfach nur beeindruckt! Die Schauspieler waren genial in ihren Rollen und wirkten alles andere als amaeurhaft. Die Emotionen wurden erstklassig umgesetzt. Erstaunlich war, dass man nur einen, einen einzigen Wortfehler entdecken konnte! Im nachhinein fielen dann auch noch die unglaublich vielen und passenden (naja... Gummihuhn?!) Requisiten auf, die das Stück noch um einiges realer und professioneller gemacht haben. Ein kleiner Lacher war auch dabei, der der Aufführung allerdings nichts abgetan hat; die Frisur des Sekretärs wurde wohl mit weißer Farbe oder ähnlichem für die Vorstellung übermalt und bröselte wie feiner Schnee im trocken Zustand herunter, was auf dem schwarzen Jackett besonders gut zu sehen war. Jen-Jen in "Klappe, die 3."


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Das Bankett

Schauspiel von Enrique Buenaventura

Personen

Das Kind
Die Bettler: Der Fakir
Der im Rollstuhl
Der Blinde
Maître
Diener
Sekretär
Fotograf
Koch
Der Zirkel: Die Zwergin
Der Dicke
Das Mannweib
Die Einäugige
Die Einarmige


Inhalt

Drei Bettler warten auf das Erscheinen des Kandidaten, dessen Prüfung durch den Zirkel (zusammengesetzt aus 5 bizarren Individuen) durch ein 5-Gänge-Menu vollzogen wird. Interessant ist für die Bettler nicht nur, ob er die lukullische Folter durchstehen, sondern vor allem auch, ob für sie genug abfallen wird von diesem 5-Sterne-Essen....
Eine bitterböse Satire, schmackhaft gemacht durch Situationskomik und skurile Gestalten, die sich gegen die Überflußgesellschaft, ihren Filz, ihre Degeneriertheit und ihre Seilschaften richtet.

Bericht aus der Leinezeitung vom 2.2.2002

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Spuken, Stöhnen, Kettenrasseln: Das Gespenst von Canterville

Dass diese und andere Geräusche gar nicht so einfach und spontan zu fabrizieren sind, sondern vielmehr fast pingelig geübt und im Timing abgestimmt werden müssen, das haben wir staunend bei unseren Proben zum "Gespenst von Canterville" begriffen. In der Erarbeitungsphase haben wir uns (zunächst noch unbewusst) größtenteils auf das Schema

1. Drama --> lesen, analysieren
2. Skript --> szenisches Konzept erstellen
3. Inszenierung --> realisieren
4. Theater --> veranstalten

gestützt.

Angefangen hat alles mit dem von Frau Dordel ausgesuchten Stück, das sie an uns zum Durchlesen, Analysieren und Beurteilen, weitergab. Während des Lesens schwirrten uns schon viele Gedanken über eine mögliche Realisierung durch den Kopf. Das Drama als geschriebenes Stück bildete also den Ausgangspunkt des theatralen Arbeitsprozesses. In der sich an die Lektüre anschließenden Diskussion definierten wir den Handlungsort und die Handlungszeit.

Der folgende Schritt war die Erstellung eines neuen Skripts, die Entwicklung eines szenischen Konzepts. Hierzu setzten wir uns in Gruppen zusammen, und jeder brachte seine Gedanken über das Stück ein, wobei sich herausstellte, dass allen die Dialoge wesentlich zu lang erschienen. Also musste gekürzt werden, was sich als sehr zeitaufwendig erwies. Jede Gruppe erstellte ihre eigene Strichfassung, die wir miteinander verglichen (auch mit Hilfe von Frau Kantel, einer Theaterpädagogin vom Schauspielhaus, die schon vorher einmal mit uns gearbeitet hatte). Nach scheinbar endloser Zeit hatten wir dann schließlich eine Strichfassung, mit der alle einverstanden waren. Dieser Strichfassung war neben der textlichen Kürzung auch eine ganze Rolle zum Opfer gefallen. Außerdem wurde der Lord zu einer Lady umfunktioniert, und unverhofft würde es Touristen geben, an die Oskar Wilde so gar nicht gedacht hatte.

Nun galt es, die Rollen des Stückes zu verteilen. Hierbei gab es Unstimmigkeiten, da jeder schon beim ersten Lesen des Textes für sich eine Favoritenrolle ausgeguckt hatte. Daher gefiel es uns zunächst gar nicht, dass wir uns jeder auf zwei oder sogar drei Rollen vorbereiten, und eine Szene mitten aus dem Stück vorspielen mussten. Wir KursteilnehmerInnen sahen uns gegenseitig zu und beurteilten einander. Jetzt stellte manch eine und manch einer von uns überrascht fest, dass er sich in der einen oder anderen Rolle wohler fühlte, als er oder sie es angenommen hätten. Trotzdem gab es natürlich Paraderollen, die mehrere von uns gern übernommen hätten. Frau Dordel entschied schließlich, wer welche Rolle spielen sollte und hatte - wie man spätestens bei der Aufführung merkte - ein "glückliches Händchen". Letzten Endes waren auch alle mit ihren Rollen zufrieden, auch ich, die ich am Anfang gar nicht mit der mir zugedachten Rolle eines Zwillings einverstanden war.

Der darauffolgende Arbeitsschritt, im o. a. Schema "Inszenierung" genannt, umfasste sämtliches Proben mit manchmal zermürbender Detailarbeit bei der Typisierung der Personen Auch das Bühnenbild, das ja schon vor Beginn der Proben im Geiste ausgemalt und ständig innerhalb der Gruppe diskutiert worden war, war eigentlich von Beginn der Probenarbeit vorhanden, wurde jedoch immer wieder in Details ergänzt, die (ein wichtiges Kriterium für den Einsatz von Requisiten) alle in Zusammenhang mit unserem Spiel standen. Die Entscheidung, ob wir überhaupt und wenn ja welche Musik wir einsetzen würden, ergab sich erst im letzten Drittel der Probenarbeit Das zügige Lernen, die souveräne Beherrschung des Textes zu einem relativ frühen Zeitpunkt, bereitete manchen einige Schwierigkeiten, da "nebenher" Klausuren geschrieben werden mussten und einige Rollen recht umfangreich waren. Sobald wie möglich wurde trotzdem intensiv geprobt. Diese erste Etappe brachte allen viel Spaß. Wir genossen das schöne Gefühl, Theater zu spielen. Leider kritisierte Frau Dordel streckenweise so lange an einer Szene herum, bis uns die Lust völlig vergangen war. Sie meinte aber, das sei nötig, und bis zur nächsten Probe hatten wir uns auch meistens wieder beruhigt. Beim Spielen und auch beim Durchforsten der Requisite entwickelten wir Ideen und Konzepte zur Bühnengestaltung, sowie für Musik und Licht. All dies - wie auch das Finden von Kostümen - und besonders die Feinabstimmung zwischen Musik, Licht, den einzelnen Einsätzen etc. nahm viel Zeit in Anspruch und kostete viele Nerven. Schon lange hatten wir mit dem uns langatmig-langweilig erscheinenden Ende gehadert und waren unschlüssig, wie wir damit umgehen sollten. Frau Dordel präsentierte uns eine Idee für einen neuen Schluss. Anfangs stieß diese bei uns auf heftige Ablehnung, später auf umso größere Zustimmung.

Als letzten Schritt beinhaltet das Schema "Theater", das heißt Präsentation und Vorbereitung. Da wir nur wenig Zeit zur Verfügung hatten, liefen Teil 3 (Inszenierung) und Teil 4 (Theater) größtenteils parallel. So wurden Programmhefte, Plakate und Zeitungsartikel zur Promotion mal so eben neben den Proben und dem sonstigen Schulstress erledigt. Doch alles in allem hat es nachher noch wunderbar funktioniert, auch wenn uns zwischendurch - vor allem gegen Ende der Proben und dem Näherrücken der Aufführung - der Gedanke plagte: "Das schaffen wir nie!"

Mein Fazit: Theater spielen? Eine spannende, anstrengende, lohnende Sache!

Katja Rühl
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