Informationen
zum Fach Darstellendes Spiel
Schülerinnen und Schüler
der Oberstufe haben die
Möglichkeit, zwischen den drei musischen Fächern
Kunst, Musik und Darstellendem Spiel zu wählen.
Wie Kunst und Musik wird auch das
Darstellende Spiel zweistündig unterrichtet. Die
tatsächliche Unterrichtszeit sprengt jedoch häufig
diesen Zeitrahmen, vor allem, wenn Aufführungen bevorstehen.
Die Bereitschaft, hier zusätzlich freie Zeit zu investieren,
wird vorausgesetzt.
Inhalte und Leistungsnachweise lassen sich
wie folgt zusammenfassen:
Im 11. Jahrgang gilt es zunächst,
Möglichkeiten zu erproben und persönliches
Darstellungsmaterial zu sammeln. Folgende Übungen finden dabei
in unterschiedlicher Gewichtung Berücksichtigung:
– Vertrauen, Sensibilisierung, Wahrnehmung
– Körper, Bewegung, Raum
– Arbeit mit der Maske
– Improvisation
– Schauspieltechniken
– Rolle und Figur
– Stimme und Sprechen
– Dramaturgie und Inszenierung
– Bühne und Raum
– Theatertheorien
Oberstes Prinzip ist jedoch die Freude am
Spiel, unmittelbar gefolgt von der Bereitschaft zu diszipliniertem,
kooperativem Einsatz!
Leistungsnachweise werden durch drei
Klausuren, Protokolle und die praktische und theoretische Mitarbeit
erbracht. Die Gewichtung: 40% Klausurnote, 60% Mitarbeit.
Hauptkriterien für Mitarbeit:
– Mitarbeit in der Spielgruppe
– Leistungen im darstellerischen Bereich
– Leistungen in sprachlicher, bildnerischer und musikalischer
Gestaltung
– Leistungen im Bereich der Entwicklung der dramatischen
Struktur
– Leistungen im theoretisch-analytischen Bereich
Klausuren lassen grundsätzlich 2
Möglichkeiten der Aufgabenstellung zu:
1. Kreative Aufgaben: Schreiben eines Rollentextes parallel
während der Arbeit an einer Rollenproduktion bzw. der
Adaptation einer nicht dramatischen Vorlage.
2. Theoretische Aufgaben: Reflexion des Projektkonzeptes oder
Auseinandersetzung mit einem theoretischen Text, der auch mit dem
Projekt in Beziehung steht.
Kritische
Anmerkungen eines Schülers
Ist
Darstellendes Spiel (DSP) als Unterrichtsfach in der Schule sinnvoll?
Die elementare Frage
dieses Themas ist, ob DSP mehr ist, als die bloße
Erfüllung der Auflage, ein künstlerisch/musisches
Fach zu belegen, um die Belegungsverpflichtungen zu erfüllen.
Sieht man die letzten Kurswahlen in Jahrgang 11, dann muss man stark
von dieser These ausgehen. Es kann nicht richtig sein, dass 2/3 der
Schüler eines Jahrgangs nur die Leiste des DSP - Kurses
für ihr künstlerisch/musisches Fach zur
Verfügung haben. Das Vorurteil, in DSP bekomme man
für wenig Leistung bei hohem Spaßfaktor viele
Punkte, hält sich hartnäckig in den Reihen der "Neu -
Oberstufler". Dass dem nicht so ist, haben viele von uns bereits am
eigenen Leib erfahren.
Vordergründig mag dies sicher auch der Fall sein, denn die
breite Masse sieht nur die Aufführung des fertigen Werkes mit
anschließender After-Show-Party, bei der alle bei mehr oder
weniger Alkohol gut gelaunt sind. Dass dieses Event aber nur die Spitze
des Eisberges ist, dessen Großteil als harte Arbeit unter
Wasser liegt, bleibt bis zum Start des Kurses verborgen. Quintessenz
aus diesem Bild ist, dass sich die Liste der Neuanwahlen als Auswahl
der "Null-Bock-" und "Abdecker-Schüler" liest.
Dies untergräbt aber die eigentlichen Vorzüge und
Eigenschaften, die nur der Kurs DSP bieten kann. In ihm können
Schüler, die sonst weniger im Mittelpunkt stehen oder weniger
selbstbewusst auftreten, lernen, eben dieses zu tun. Sie
können in Rollen schlüpfen, in die sie in der
Realität niemals schlüpfen würden. Da kein
Stück von einer einzigen Person realisiert werden kann, treten
Teamgeist und Teamfähigkeit in diesem Fach besonders in den
Vordergrund. Der Zustand, dass 25 Schüler, die sich nie alle
mögen können, als Gruppe an einem Strang ziehen
müssen, um ein gemeinsames Ziel zu realisieren, kannte ich bis
jetzt nur aus meinem Sport. Dieses Fach bildet die Basis um diese
Fähigkeit ganz unbewusst zu schulen, denn es wird kein Druck
ausgeübt, da alle nur an der Qualität des
Stückes interessiert sind. So steht der pädagogische
Sinn des Faches DSP momentan also mehr und mehr in Frage. Denn wie soll
ein Kurs mit überwiegend lustlosen Schülern diese
komplexen Anforderungen umsetzen, für die insbesondere
persönliches Engagement von Nöten ist. Ich will
keinesfalls allen Neu-DSPlern die Motivation absprechen, aber von einem
Großteil weiß ich persönlich, dass sie das
Fach als billige Alternative zu Kunst oder Musik betrachten.
Auch ist es kritisch, praktisch jährlich die "ganze
Mannschaft" auszuwechseln. Denn der Erfolg eines jeden Stückes
beruht auch ein Stück weit auf der Erfahrung des Einzelnen.
Aus meiner persönlichen Erfahrung als Leistungssportler
weiß ich, wie wichtig es ist, dass es erfahrene Spieler, hier
Schüler, geben muss. Diese müssen in kritischen oder
entscheidenden Situationen die Verantwortung übernehmen, oder
unsichere Schüler beruhigen bzw. Konflikte schlichten. Diese
Funktionen kann wohl kaum ein Schüler ausfüllen, der
vor dem ersten großen Stück nur mit sich und den
eigenen Problemen beschäftigt ist.
Als nächstes steht die Frage im Raum, ob im DSP - Kurs nicht
das Hauptaugenmerk auf ein möglichst professionelles
Stück gelegt werden sollte? Ist es da nicht kontraproduktiv,
erfahrene motivierte Schüler praktisch aus dem Kurs zu
schmeißen, um Abdeckern diese Plätze anzubieten? DSP
entwickelt sich zunehmend zum Karitas-Fach für Kunst- und
Musikmuffel, die meinen, auf diese Weise locker ihre zwei
musisch-künstlerischen Kurse belegen zu können. Der
Ansatz ein Casting durchzuführen, um aus der Vielzahl der
Bewerber die talentiertesten und motiviertesten herauszufiltern, wie es
bereits gemacht wurde, erscheint mir unter diesen Umständen
als sehr angebracht. Das Festhalten an starren Statuten ist ein
Beispiel für deutsche Bürokratie. Ich bin es gewohnt,
dass auf Grund von Leistung und Engagement die jeweils Besten
ausgewählt werden. Zudem wird eine weitere
Leistungsentwicklung von engagierten Schülern verhindert, da
ihnen ein weiteres Entwickeln ihrer Fähigkeiten verwehrt
bleibt.
Sowohl in Kunst als in Musik besteht die Möglichkeit vier
Semester am entsprechenden Unterricht teilzunehmen. Dass dieser Zustand
in DSP nicht vorherrscht, sehe ich als nicht haltbar an.
Aus der Abwägung der Argumente ergibt sich der Schluss, dass
DSP aus pädagogischer Sicht als Pflichtfach für jeden
Schüler vorgeschrieben werden sollte und daher auf jeden Fall
sinnvoll ist. Es bietet eine Bereicherung des aktuellen Lehrplans. Da
es aufgrund von Lehrkörpermangel nicht realisierbar ist,
diesen Unterricht für alle Schüler anzubieten, sollte
den Schülern, die wirklich interessiert sind, der Zugang zu
diesem Fach unter allen Umständen gewährt werden.
Findet sich kein geeignetes Mittel um Chancengleichheit bei der Auswahl
zu schaffen, ist das Fach DSP nicht tragbar und sollte dann als AG
angeboten werden.
Es besteht also viel Stoff zum Nachdenken über die
gegenwärtige Situation, ihre Auswirkungen und die
unverständlichen Auswahlkriterien.