Bormio - Skifreizeit 2003


Der winzige Kleinbus auf dem Schulparkplatz schockt mich - wie um Gottes Willen sollen wir da alle reinpassen?
Sandra lacht. Nein, natürlich wird es ein anderer Bus sein, aber das könne ich schließlich nicht wissen, fügt sie nachsichtig hinzu. Klar, schließlich handelt es sich ja um mein „erstes Mal“. Im Bezug auf Bormio, Skifahren und Italien zumindest.
Unerwartet schnell füllt sich der Parkplatz inzwischen mit aufgeregten Stimmen, Skiern und Taschen so weit das Auge reicht. Als auch Frau Engelke wehenden Haares um die Ecke eilt und Robert mit seinem Bus vorfährt, sind wir fast startbereit. Um ein bisschen herzzerreißenden Abschied von den Eltern kommen wir allerdings nicht herum und von irgendwo ertönt sogar die Frage: „Was bekomme ich, wenn ich mich nicht wie eine peinliche Mutter benehme?“
Irgendwann sitzen dann alle oder befinden sich zumindest im Bus, Phillip schmeißt seine „Black-Musik“ ein und die ersten packen bereits ihren Fahrtproviant aus. Ich muss enttäuscht feststellen, dass meine Mutti mich nicht mit Kuchen und belegten Brötchen, sondern lediglich mit ein paar Äpfeln versorgt hat.
Der restliche Teil der Fahrt verläuft weitgehend ereignislos; wir fahren über Nacht und für wenigstens ein paar Stunden macht jeder die Augen zu.
Aufregend wird es erst wieder in Livigno (Italien), wo es alle alkoholischen Getränke und Zigaretten zollfrei zu erwerben gibt. Natürlich kaufen wir aus Mangel an Eigenbedarf nur vereinzelte Mitbringsel für die Lieben zu Hause.
Eine Fahrtstunde später erreichen wir Bormio und laden all unser Gepäck auf abenteuerliche Weise in den Lift. Das „Chalet dei Rododendri“ liegt auf etwa 2200 m Höhe und nach 20-minütiger Liftfahrt können wir wider Erwarten auch all unsere Koffer dort in Empfang nehmen.
Der Tagesablauf während der nun folgenden neun Tage bleibt weitgehend gleich und soll für alle Bormio-Laien im Folgenden kurz dargestellt werden.


8.00 Uhr
Aufstehen mit Morgenmusik aus Zimmer 3.
Die Glücklichen unter uns, die eine Dusche auf dem Zimmer ihr Eigen nennen können schleichen gemütlich ins Bad. Alle anderen drängen sich auf dem Flur und stoppen gegenseitig ihre Duschzeiten – Ergebnisse werden verschwiegen.

8.30 Uhr
Frühstück
Der Tag beginnt mit lecker Cappuccino, Kuchen, Keksen und Croissants. Frei nach dem Motto „ich esse also bin ich“ hauen sich alle ordentlich den Bauch voll um für einen langen Tag auf der Piste gewappnet zu sein.

Irgendwann später
Herr Hamann erhebt sich und verteilt Schüler auf Gruppen, Gruppen auf Skilehrer und alles auf Zeiten. Wer jetzt noch durchblickt, wirft sich schleunigst in Skihose und Jacke und findet sich vor der Haustür zur Skigymnastik mit Alja ein. Jene ist jeden Tag aufs Neue ein echtes Erlebnis („hebt euren rechten Fuß über das linke Bein während ihr mit der linken Hand die rechte Schulter eures Vordermannes berührt und linksherum im Kreis hüpft ... häh ??? )

gegen 10.00 Uhr
Alle ziehen gemächlich los.
Ob zum Lift der uns auf 3000 m Höhe bringt, zu Anfängerstunden mit Frau Engelke ( „...man kann jeden Hang mit Abrutschen bewältigen...“) , zu aufregenderen Skiübungen für Profis mit Alja oder gar zum Walzer auf Skiern.
(Anm. der Redaktion: Letzteres war auch nach neun Tagen dermaßen schwer durchschaubar für mich, dass ich mich beim Tanzen auch weiterhin auf meine Füße verlasse)

Die ersten Versuche auf der Piste ....

um 12.00 Uhr
Wir treffen uns zum Mittagessen auf der Sonnenterasse und lästern schadenfroh über die Minusgrade in Deutschland.
Gestärkt wird sich mit Pizza von Georgio, Keksen oder vitaminreichen 5-Minuten-Terrinen.

Grillen zur Stärkung

Spätestens 13.30 Uhr
Es geht erneut auf die Piste.
Der Eine oder die Andere hat inzwischen den Schnee, der uns so verführerisch anblitzt, aus der Nähe getestet, aber nichts desto trotz stehen wir immer wieder auf.

Herr Hamann bei der Abfahrt

Zwischen 17.00 und 18.00 Uhr
haben wir genug und schleppen unsere müden Knochen unter die Dusche oder ins Bett in fieberhafter Erwartung des grandiosen Abendessens.

19.30 Uhr
Endlich Abendbrot!!!
Mit Salatbuffet, zwei warmen Gängen und Riesenauswahl an Nachtischen für viele das Highlight des Tages und einfach nicht zu toppen.

Georgio, unser Wirt, sehr nachdenklich...

20.30 Uhr bis ????
Wir fördern das soziale Miteinander…
Franzi fühlt Franzi auf den Zahn, was jene zwei Ecken ihrer Schneidezähne kostet, Thea entwickelt psychologische Theorien, Steffi dreht eine Reportage über Heiratsanträge… kurz: wir haben Spaß!


Bedingt durch Fackelabfahrten, Freilufttanzen bei Glühwein, Skitaufe und Constantins 20. Geburtstag, schlafen wir in 9 Tagen Bormio-„Urlaub“ eher wenig, überstehen dies allerdings weitgehend unbeschadet.
Bis auf Sese, der sich bereits am zweiten Tag den Daumen bricht, Phillip der sein Knie kühlen muss und Steffi, die ihr Blut aus einer tiefen Schnittwunde anfangs für Erdbeersaft hält, zumindest.

Auch die Anfänger unter uns sind inzwischen fast Profis und definitiv bormiosüchtig.

Mein Fazit: Lasst euch mit dem Bormiovirus infizieren, der euch nicht wieder loslassen wird - es lohnt sich!

Bormio im Internet