Munchs
„Schrei“
verbindet Schüler zweier Nationen
Studienfahrt
nach
Norwegen
- September
2006 - von
Marcel Kalski
Für neun
Schüler unserer Schule ging es einen Tag vor
Ende der Sommerferien noch einmal auf Reisen. Und zwar nach Norwegen.
Dieser Schüleraustausch mit der Videregående Skole
in Lillestrøm hat schon Tradition. Seit 3 Jahren
fährt eine Schülergruppe unserer Oberstufe mit Frau
Dordel nach Norwegen. Mit dem Schiff anzureisen, war die Idee von Frau
Schmans. Eine gute Idee! Schon allein die Hinfahrt mit der
Fähre unter der Ǿresund-Brücke hindurch und durch den
Oslofjord ist ein Erlebnis. Darin sind wir uns alle einig.
Unsere Gastfamilien warten auf uns. Wir sind nervös, obwohl
wir unsere Austauschpartner per e-Mail schon richtig gut kennen. Die
Norweger sind eine offene Nation. Dies bemerken wir auch im Unterricht.
Man spricht die Lehrer mit dem Vornamen an, begrüßt
sich locker mit „Hei!“. Auch das Schulsystem
unterscheidet sich deutlich von dem deutschen. Es gibt keine Trennung
in Gymnasium, Real- und Hauptschule. Dafür können
Schüler in Lillestrøm einen spezialisierten Zweig
belegen. Medien und Kommunikation oder ein
künstlerisches Schwerpunktfach. Musik, Tanz und Theater stehen
zur Wahl. Bei bis zu 15 Wochenstunden in einem dieser Fächer
erlangen die Norweger eine Perfektion, vor der wir vor Neid erblassen
könnten.
Auch die Lehrer, die eigentlich nichts mit unserem Austausch zu tun
hatten, haben sich für uns engagiert. So hat uns ein
Informatiklehrer, der in seiner Privatzeit Volkstanz lehrt und in ganz
Europa herumreist, Unterricht erteilt. Niemals hätten wir
gedacht, dass wir an „so etwas“ richtig
Spaß haben würden.
Lustig und lehrreich waren auch zwei Stunden „Norwegisch
für Anfänger“. Mit einigen wichtigen
kleinen Sätzen ausgerüstet haben wir viel
Spaß bei der Verständigung mit den Eltern gehabt,
obwohl die ja meistens ein sehr gutes Englisch sprachen. Aber irgendwie
hat es uns auch gereizt, unser Satzrepertoire von Tag zu Tag zu
erweitern.
Doch auch außerhalb der Schule haben wir viele interessante
Sachen gemacht. Wir haben das im letzten Jahr eröffnete
Friedensnobelzentrum in Oslo besucht und natürlich das
Munch-Museum. Dort haben wir gemeinsam mit unseren
Austauschschülern unsere Eindrücke und Empfindungen
über die bedrückenden Gemälde des
berühmten norwegischen Malers ausgetauscht und aufgeschrieben.
Viele von uns haben mit ihren Gasteltern die weltberühmte
Skisprungschanze Holmenkollen besichtigt.
Als besonderes Highlight für uns hatte die Schule einen
zweitägigen Ausflug in die Berge Westnorwegens organisiert.
Auf der siebenstündigen Bustour wurde auch an einer der
traditionellen Stabkirchen aus Holz Halt gemacht. Nach
Übernachtung in einer Holzhütte im Aurlandsdalen ging
es dann am nächsten Tag mit der Flåmsbahn durch die
Berglandschaft. Die alte Transportstrecke mit etlichen Tunneln
führt durch über tausend Meter hohe Gipfel vorbei an
Wasserfällen, Fjorden und historischen Dörfern. An
der Endstation Myrdal machten wir eine kleine Wanderung. Neben
mitgebrachten Broten mit norwegischem Käse und Rentierschinken
wurden auch selbst gepflückte Beeren vom Wegesrand verzehrt.
Die norwegische Natur ist einfach klasse!
Die zu Hause gebliebenen Norweger waren ein bisschen frustriert, als
sie uns allein davon ziehen sahen und später unsere
begeisterten Schilderungen hörten. Im nächsten Jahr
sollen nach Möglichkeit alle gemeinsam fahren.
In den zehn Tagen sind viele neue Freundschaften entstanden. Daher fiel
uns der Abschied sehr schwer. Doch so schlimm ist es auch wieder nicht,
denn der Termin für den Rückbesuch ist schon fest
geplant. Im Januar nächsten Jahres kommen die Norweger nach
Deutschland. Und was auch schon fest steht: Wir werden sie aus Berlin
abholen und ihnen die Stadt zeigen.